Jede Betrachtung der Wirkungsgeschichte Otto von Bismarcks enthält den Hinweis auf die beeindruckende Fülle von Zeugnissen der Verehrung für den ersten Kanzler des deutschen Nationalstaates. Gleich ob Standbild, Turm, Säule, Straße oder dergleichen mehr. Dass seine Politik stets auch auf entschiedenen Widerstand breiter Kreise der Öffentlichkeit stieß, wird dabei nur allzu häufig vergessen - von der kritischen retrospektiven Betrachtung insbesondere seiner Innenpolitik in der Gegenwart zu schweigen. Beispielhaft für die Opposition gegen Bismarck steht das erste auf ihn verübte Attentat, das sich am 7. Mai diesen Jahres zum 146ten mal jährte. Täter war Ferdinand Cohen-Blind, Stiefsohn eines 1848er-Revolutionärs. Er sah im preußischen Ministerpräsidenten Bismarck, wie viele andere Liberale, einen skrupellosen Politiker, der bewusst auf den Krieg Preußens gegen Österreich zugesteuert sei: Laut Polizeibericht feuerte der 22jährige Cohen-Blind aus einer Entfernung von zehn Schritt drei Schüsse auf den Ministerpräsidenten. Als der zunächst unverletzt gebliebene Bismarck dem Täter die Pistole entwinden wollte, traf Blind sein Opfer mit zwei weiteren Schüssen. Von Bismarck festgehalten, wurde Blind verhaftet und beging noch im Polizeipräsidium Selbstmord. Die Tatwaffe ist im Übrigen, zusammen mit dem von Bismarck an jenem 7. Mai getragenen, mit Einschussloch versehenen Unterhemd, als besondere Kuriosität im Bismarck-Museum Friedrichsruh zu sehen. Der Bayerische Rundfunk widmete diesem historischen Ereignis ein "Kalenderblatt", das Sie hier nachhören können. Etwas belletristisch angehübscht, aber doch schön erzählt, finden wir.
Wer schoß auf Bismarck?Geschrieben von Dr. Andreas von Seggern Dienstag, den 15. Mai 2012 um 05:32 Uhr54 Kommentare
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