Hamburg und Bismarck, Bismarck und Hamburg, das war und ist eine spannungsreiche Beziehung. Am Beginn seiner Regierungszeit zog der Kanzler vor die Tore der stolzen Hansestadt nach Friedrichsruh. Unter seiner Ägide trat die Stadt - seit der Reichsgründung ein Bundesstaat - durch das Zollanschlussabkommen dem Deutschen Zollverein bei, und baute sich als Hintertür die Speicherstadt, in der die alten Rechte der Händler auf zollfreie Lagerung von Importgütern beibehalten wurden. Nach Bismarcks Tod wurde in Hamburg das größte Denkmal für den Kanzler weltweit gebaut. Heute steht es eingewachsen von hohen Bäumen in einem Park und hat durch diese grüne Umrahmung etwas von seiner Exponiertheit verloren. Der Name ist aber nach wie vor in der Stadt präsent. So heißt eines der zentralen Hotels nach dem Fürsten, ein Altherrenruderverein ist nach ihm benannt, und und und. Da staunten wir nicht schlecht, wie ein Hamburger Museum mit dem eisernen Kanzler umgeht. Zugegeben, viele der Bismarckbüsten und -porträts sind geschmackliche Wagnisse des späten 19. Jahrhunderts und verlangen nicht unbedingt nach einem repräsentativen Platz in einem Kunstmuseum unserer Tage. Aber muß eine Pappabblidung des Alten wirklich in den Keller geschoben werden, noch dazu wenn die künstlerische Umsetzung seiner Person so farbenfroh ist?
Gefunden haben den Pappkameraden zwei Museumsbesucher, die so spät noch durch die Ausstellungsräume wandelten, dass der Haupteingang bereits abgeschlossen war. Daher wurden sie durch einen Kellergang ins Freie gelassen und staunten nicht schlecht über den freundlichen älteren Herren, der ihnen den Weg durch die Katakomben des Museums wies. Vielen Dank für die Zusendung des Fotos. Sie hätten - wie wir jetzt aufgeklärt wurden - das Bild freilich gar nicht machen und erst recht nicht weiterleiten dürfen, und wir hätten es folgerichtig auch nicht ins Netz stellen dürfen, was schade ist, da wir einen Bismarck in rosa bisher wirklich noch nicht hatten! Wer also einen solchen sehen möchte, muß sich wohl oder übel in den mehr als 300 Hamburger Museen ans Ende der Schließzeiten herantasten und hoffen, einen ungewöhnlichen Weg hinaus gewiesen zu bekommen.


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