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Donnerstag, den 26. Juli 2012 um 10:11 Uhr

Endlich eine neue Denkmalsinitiative!

Dass Studenten gefährliche neue Ideen entwickeln und politisch-gesellschaftliche Innovationen vorantreiben, wissen alle Dunkelmänner seit dem Wartburgfest. Den vorläufigen Höhepunkt diskursiven Selbstbewusstseins markierte das Jahrzehnt nach 1968, als vor allem auf der Grundlage von Studentenprotesten nicht nur die alte Ordinarienuniversität vollends zu Gruppenuniversität wurde, sondern auf dem anschließenden Marsch durch die Institutionen die gesamte Bundesrepublik nach links verrutschte.  Progressivität unter Studenten ist seitdem eindeutig "politisch links" konnotiert. Denkt man zurück, erschrickt man fast bei der Tatsache, dass eine große Mehrheit deutscher Studierender zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und dem Dritten Reich das politische Heil der Nation am anderen Ende des politischen Spektrums suchten und sich dem autoritären Staat an den Hals warf. Unter Bismarck hieß das kaiserlich-preußischer, später kaiserlich-militärischer Mainstream, unter Hitler beudetete es aggressiven Nationalismus und geistlosen Antisemitismus. Betrachtet man die Entwicklungen aber historisch nüchtern und nicht durch die Moralbrille der in der parlamentarischen Demokratie Nachgeborenen, läßt sich für jede Epoche unabhängig von den politischen Inhalten feststellen, dass die nach Bildung strebenden Anfangszwanziger ihre Forderungen stets mit großer Vehemenz vertraten, spätpubertäre Arroganz kurz vor dem endgültigen Erwachsenwerden nicht ausgeschlossen. Dass die klügeren Köpfe unter den Studenten diese ausgelassene Atmosphäre freier Geistigkeit, dieses breite Experimentierfeld immer auch für derbe Späße nutzten, weiß jeder, der bei studentischen Festen und Feiern aktive Adoleszenzverweigerung betrieben hat. Solche hintersinnigen Spaßvögel scheint es auch in der Fachschaft Geschichte der Universität Bonn zu geben, wie der uns leider erst post festum bekannt gewordene Flyer bezeugt. Da fordert doch erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder eine Gruppe deutscher Studierender den Bau einer Bismarckdenkmals! Schmunzelnd nehmen wir die nebenstehende ironische Einladung zur Abschlussfeier am Ende des Sommersemesters 2012 zur Kenntnis, die uns einmal mehr zeigt, wie schön sich nach wie vor mit der assoziationsreichen Figur Otto von Bismarck spielen läßt.

Veröffentlicht in Aktuelles