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Mittwoch, den 22. August 2012 um 14:45 Uhr

Über den historischen Umgang mit Behinderung...

...weiß die Geschichtswissenschaft noch immer verblüffend wenig. Während sich die interdisziplinären disability studies vor allem in den angelsächsischen Staaten bereits seit langer Zeit mit sozial- und kulturwissenschaftlichen Aspekten des gesellschaftlichen Umgangs mit allen Arten von Behinderung auseinandersetzt, blühen erste vergleichbare deutsche Forschungspflanzen erst in jüngster Vergangenheit stärker auf. Wohl noch immer schreckt die Monströsität der nationalsozialistischen Verbrechen im Rahmen des Euthanasie-Programms, dem Tausende von behinderten Menschen, gleich ob Kind oder Erwachsener, zum Opfer fielen. Seine propagandistischen Auswüchse wirkten bis weit in die deutsche Nachkriegsgesellschaft hinein, die lange Zeit an der Ausgrenzung von Behinderten festhielt. Erst seit den 1970er Jahren beginnt sich der Umgang dert Gesellschaft mit behinderten Menschen offenkundig langsam zu normalisieren, auch wenn die Diskussion um die sogenannte Pränataldiagnostik in diesem Zusammenhang vielfach sicher nicht förderlich gewesen ist. Das aber bereits im Kaiserreich nicht nur die Ausgrenzung, sondern bisweilen auch das Bemühen um selbstverständlichen Umgang mit Behinderung erkennbar gewesen ist, scheint der Fall der Prinzessin Alexandrine von Preußen zu beweisen, der ältesten Tochter des Kronprinzen Wilhelm, mithin also Enkelin des letzten Kaisers Wilhelm II. Alexandrine hatte das Down-Syndrom, und doch wurden Postkarten mit ihrem Konterfei offenkundig in ähnlicher Vielzahl unters Volk gebracht wie diejenigen mit den Porträts ihrer Schwester oder ihrer Brüder. Wir wissen nicht viel mehr über diesen "Fall", als wir dem entsprechenden wikipedia-Eintrag entnehmen können und stießen im Übrigen bei der Sichtung unserer Ansichtskarten-Sammlung auf eben diese Geschichte - aber wir finden das spannend und sehr bemerkenswert. Wer weiß mehr darüber?

Veröffentlicht in Aktuelles