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Kulinarische Empfehlung für die kalte Jahreszeit

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Sonntag, den 04. November 2012 um 19:30 Uhr

Dass der Fisch von Kopf her stinkt, mag der junge Wilhelm II. 1890 vielleicht gedacht haben, gesagt hat er es, wenn überhaupt, dann nur im engsten Kreis. Dabei machte er schon in jungen Jahren aus seinem Herzen keine Mördergrube. Otto von Bismarck dürfte das egal gewesen sein, denn nach fast drei Jahrzehnten war er von dem Enkel "seines Kaisers" aus der politischen Führungsrolle Deutschlands gedrängt und in den Ruhestand verabschiedet worden. Bald schon setzte jedoch, auch bei denen, die froh über das Ausscheiden Bismarcks waren und sich von jüngeren Kräften mehr versprachen, eine verklärende Sensucht nach dem Alten ein. Noch innerhalb der acht Jahre, die der Pensionär Bismarck im Sachsenwald lebte, wurden er und seine erfolgreiche Einigungspolitik mythisiert, seine harschen innenpolitischen Massnahmen wurden dabei geflissentlich ignoriert. Wer waren schon die Sozialdemokraten oder die vermeintlich klerikalen Zentrumswähler aus der Sicht des protestantisch-bürgerlichen Mainstreams? Nationalliberale und Konservative reichten sich jedenfalls die Hand, wenn es um die Verehrung Bismarcks ging, mit dem die wesentlichen politischen Ziele erreicht worden waren und der nun, die Ovationen der Besucher im Sachsenwald entgegennehmend, zahnlos und zu einer idealen Projektionsfläche für allerlei offengebliebene Wünsche geworden waren.

Was das alles mit Essen und Trinken im immer trüber werdenden Jahresausklang zu tun hat? Sehr viel, wie jeder norddeutsche Mineralwasser- oder Korntrinker weiß. Die Sehnsucht nach dem entmachteten Alten ließ sich nämlich auch hervorragend wirtschaftlich ausnutzen. Bald schon trugen Zigarren den Namen des Kanzlers a.D., Fahrräder hießen nach ihm und allerlei anderer Klamauk wurde mit dem berühmten "Bismarck" im Titel der national gesinnten Kundschaft angeboten. Das bekannteste Produkt ist noch immer der Bismarck-Hering. Diesen kann man zwar auch und gerade im Sommer genießen, als herzhafter Imbiß mundet er aber auch im Spätherbst und Winter. Als Alternative zu Grünkohl und Pinkel oder zu kräftigen Kasslerpfannen mit Sauerkraut sozusagen. Dass der Bismarck-Hering nicht nur das 122 Jahre nach dem Tod Bismarcks noch immer bekannteste Produkt ist, das seinen "Promi"-Namen zu Merchandisingzwecken benutzt, wissen viele. Dass der häufig gerollte, saure Fisch schon zu Regierungszeiten Bismarcks nach ihm benannt wurde, ja dass vielleicht schon während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 ein pfiffiger Fischhändler den Namen des aufstrebenden Altmärkers zu Werbezwecken nutzte, kann man in einem Artikel der "Welt" nachlesen, die, erschiene sie in England, vielleicht vorsichtiger mit fischigen Themen wäre. Schließlich würden Käufer von "Fish and Chips" zwischen frittierten Kartoffeln, frittiertem Fisch und Ölflecken den Artikel durchschimmern sehen und auf die kurze Haltbarkeit von Zeitungsnachrichten hingewiesen werden.

Bismarcks Amtsnachfolgerin Angela Merkel hat jedenfalls, das zumindest suggeriert das einige Jahre zurückliegende Fot mit dem damaligen US-Präsidenten Bush, einen entspannten Umgang mit der Namensverwendung ihres Vor-vorgängers. Schließlich haben die zwischen Bismarck und ihr amtierenden Herren Caprivi bis Schröder gezeigt, dass nicht jeder deutsche Kanzler befürchten muss, von der Nachwelt mit einem fischigen Snack in Verbindung gebracht zu werden.

In der letzten Woche unternahm der Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung einer seiner regelmäßigen Berlinfahrten. Diesmal stand als erster Punkt ein Besuch in der hervorragenden Ausstelllung zur deutschen Parlamentsgeschichte auf dem Plan, die der Deutsche Bundestag im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt unterhält. Nach einer mittäglichen Stärkung und der Besichtigung der Königlichen Prozellanmanufaktur (KPM) besuchte die Gruppe den Bundestag. Ein anregendes Gespräch mit dem Abgeordneten Norbert Brackmann gab dabei ebenso Einblicke in den parlamentarischen Arbeitsalltag wie der abendliche Blick durch die Glaskuppel hinab ins Plenum, wo gerade die siebte namentliche Abstimmung des Tages stattfand.

Bei einer der nächsten Fahrten sollte in Berlin unbedingt die Gelegenheit genutzt werden, dem dortigen Wachsfigurenkabinett einen Besuch abzustatten. Schließlich hält die Berliner Dependance von Madame Tussauds ein historisch-politisch überraschendes Setting bereit. Oder wen hätten Sie bei der Auswahl von Nachbarfiguren in die Nähe der Wachsfigur des Eisernen Kanzlers gerückt? Uns amüsiert jedenfalls die wohl zufällige Positionierung von Karl Marx und Sophie Scholl neben Otto von Bismarck und Anne Frank und wir sind gespannt, ob diese Kombination auf der Homepage des Hauses nur eine Auswahl aus dem Bereich "Historische Persönlichkeiten" widerspiegelt und ob sich "in natura" noch andere geschichtliche Persönlichkeiten bestaunen lassen. Und wer könnten diese dann sein? Das Angebot, sich mit Stahlhelm auf dem Kopf neben Bismarck (gemeint ist hoffentlich "nur" die Pickelhaube) fotografieren zu lassen, werden wir jedenfalls nicht an uns vorbeigehen lassen!

Als vor einigen Wochen die Verfilmung von Uwe Tellkamps Bestseller "Der Turm" in der ARD lief, erinnerten die hervorragend gestalteten Kulissen daran, dass ein Artikel über den Loschwitzer Fotografen August Kotzsch 1836-1910) überfällig ist. Denn der Pionier seines Faches, das zu seinen Zeiten noch "Photographie" hieß, hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jenen Villenbau in einem damals noch vor den Toren Dresdens liegenden Dörfchen am Elbhang in Bildern festgehalten, dessen schleichenden Niedergang Tellkamp in seinem großen Wenderoman durch die 1980er Jahre hindurch beschreibt. Als Kotzsch seine Kamera schulterte und seine sächsische Heimatumgebung zwischen Deutschem- und Norddeutschen Bund und dann während der prosperierenden Jahre des Kaiserreichs fotografierte, war von der Stagnation der DDR freilich noch nichts zu ahnen. Im Gegenteil: In der Lebensspanne Kotzschs wuchs das Elbdorf Loschwitz zu einem stattlichen Villenvorort der sächsischen Residenzstadt. Die idyllische Lage am Elbahng zwischen Weinbergen zog betuchte Unternehmer und Rentiers ebenso an wie Künstlers und Bohemiens. Der Widerstand gegen die Eingemeindung war dann am Beginn der 1920er Jahre ebenso groß wie in den vergleichbaren Villensiedlungen Weißer Hirsch, Blasewitz oder Kleinzschachwitz.

Als Kotzsch 1836 in Loschwitz  geboren wurde, war das Leben auf den Straßen und in den Höfen noch alles andere als bürgerlich oder mondän. Der "Photograph in Loschwitz bei Dresden" hielt dann vielleicht auch deshalb besonders oft einfachste, in ihrer ärmlichen Romantik an Ludwig Richter erinnernde Dorfszenen fest, weil sie aus der Welt seiner Kindheit stammten und ab den 1860er Jahren langsam verschwanden. Bald liefen die neuen Bewohner nicht mehr zu Fuß die steilen Hänge hinauf und hinab, sondern fuhren mit den technischen Errungenschaften der Hochindustrialisierung in einer Standseilbahn und einer Schwebebahn über die Köpfe der alten Loschwitzer hinweg. Der Blick über das Elbtal, etwa aus den Fenstern und von den Terrassen des Klassikers unter den Panoramarestaurants, dem "Luisenhof", führt die landschaftliche Geschmackssicherheit des damaligen Geldadels vor Augen. Und auch die Fähre auf die linke Elbseite genügte den feinen Herrschaften bald nicht mehr, so dass Kotzsch am Beginn der 1890er Jahre den Bau der seinerzeit hochmodernen, aus genieteten Eisenteilen bestehenden "König-Albert-Brücke" festhalten konnte, die bis heute unter dem Namen "Blaues Wunder" die Elbe überspannt. In Kotzschs Bildern bündelt sich damit der Wandel einer ganzen Epoche: Am Beginn steht das ländliche Leben vor dem Toren Dresdens, am Ende hat die große, weite Welt Einzug in das beschauliche Nest an der Elbe gehalten und Kotzsch verkauft seine Bilder auf zwei Kontinenten.

Schon in seinem Titel nimmt ein Ausstellungskatalog Bezug auf die Internationalität des Werkes von August Kotzsch. Das Statdmuseum Dresden erinnerte in einer Ausstellung an diesen wohl bekanntesten Dresdner Fotokünstler des Kaiserreichs, der selbst zeitlebens Loschwitzer bleiben wollte. Wem der zu DDR-Zeiten heißbegehrte und rasch vergriffene Bildband mit Kotzschbildern antiquarisch zu teuer ist [1], dem sei der genannte, 142 Seiten umfassende Katalogband empfohlen. Er ist über das Stadtmuseum Dresden zu beziehen [2].

 

[1]  Ernst Hirsch, Matthias Griebel, Volkmar Herre: August Kotzsch 1836–1910. Photograph in Loschwitz bei Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 1986.

[2]  Erika Eschebach, Holger Starke (Hrsg.), Von Loschwitz nach Amerika - Fotografien von August Kotzsch (1836-1910): Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Dresden, 3. Juli 2010 bis 26. September 2010.

 

 

Churchills Lob und Adenauers Selbstbewusstsein

Geschrieben von Prof. Dr. Ulrich Lappenküper am Donnerstag, den 04. Oktober 2012 um 10:27 Uhr

Als der große britische Staatsmann Winston Churchill, so konnten wir jüngst in einer überregionalen deutschen Tageszeitung lesen, dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland einmal schmeicheln wollte, er sei der größte deutsche Politiker seit Bismarck, soll Konrad Adenauer gekontert haben: Dazu habe "nicht viel gehört". Was wollte der "Fuchs" uns damit sagen? Dass er Bismarck nicht als großen Staatsmann ansah? Oder dass Deutschland seit Bismarcks Zeiten bis zur Gründung der Bundesrepublik nur noch mittelmäßige Politiker hervorgebracht habe?

Es kann kein Zweifel bestehen: Abgesehen von der Sozialgesetzgebung, beurteilte Adenauer Bismarcks Innenpolitik denkbar schlecht. Denn sie war seines Erachtens "gegen jede Freiheit " und wies mit dem Kulturkampf gegen den politischen Katholizismus und dem Sozialistengesetz zwei kardinale Fehler auf. Den Außenpolitiker Bismarck erkor Adenauer hingegen zu einem "wirklich großer Meister. Der Eiserne Kanzler war für den "Fuchs" aus Rhöndorf ein Realpolitiker im besten Sinne; orientiert an nationalen Interessen, aber mit Sinn für das Machbare; ein umsichtiger Bündnispolitiker und stets bemüht, "Freunde" zu gewinnen, wie er das 1952 in der Diktion seiner Zeit ausdrückte. Seine Fundamentalkritik an Bismarcks Innenpolitik hinderte Adenauer nicht daran, "das Große" des Bismarck'schen Geistes "staunend anzuerkennen".

Wer mehr über Adenauers Bismarck-Urteil erfahren möchte, der lese die einfühlsame Studie von Corinna Franz im Themenheft "Otto von Bismarck im Urteil deutscher Bundeskanzler" unserer Schriftenreihe "Friedrichsruher Beiträge", Band 38, Seite 9-30.

Galgenbrüder und Galgenlieder

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Freitag, den 28. September 2012 um 11:08 Uhr

Der Dichter Christian Morgenstern gehört zum Kanon der absurden Dichtung und wird, ähnlich wie die Dadaisten, oft am Ende des Kaiserreichs verortet, als die Fin de Siècle-Stimmung sich bereits in viele anti-wilhelminische Gegenströmungen in Kunst und Literatur aufgefächert hatte. Morgenstern steht also für eine nur auf den ersten Blick oberflächliche Abkehr vom seinerzeitigen realistischen und naturalistischen Mainstream, ohne allerdings pathetisch wie George oder transzendent wie Rilke oder Hesse zu sein. Wo der aus München stammende Enkelsohn des gleichnamigen Malers seine Gedichte schrieb, ist wie bei allen Schriftstellern und Dichtern literatursoziologisch nicht ohne Belang. Aus den späten Werken mag man die Kurortatmosphäre der Schweiz herauslesen, wohin sich der Schwerkranke zurückgezogen hatte. Vorher war er  lange in Berlin ansässig gewesen und hatte mit gleichgesinnten Freunden oft das brandenburgische Umland erkundet. Wiederholt bestiegen sie dabei eine Anhöhe im Städtchen Werder an der Havel, von der aus man die Seenlandschaft betrachten konnte und wo seit 1894 eine Ausflugsgaststätte zur Einkehr einlud. Diese hieß im Jahr 1895 "Restaurant Galgenberg", und diese Bezeichnung nach dem alten Galgenberg Werders war natürlich geeignet, die dazu zu verleiten, sich „Galgenbrüder“ zu nennen. Morgenstern gab später einer ganzen Sammlung von Gedichten den Namen „Galgenlieder“. Erst ein neuer Pächter nannte des Etablissement 1898 werbeträchtig nach dem omnipräsenten Altkanzler "Bismarckhöhe". Dass der aus Bayern stammende Dichter Morgenstern gern einer Gruppe mit dem Namen "Bismarckbrüder" angehört hätte, darf bezweifelt werden, wiewohl uns nichts über Morgensterns Haltung zu Bismarck bekannt ist. Für Hinweise wären wir dankbar.

Jetzt soll auf der Bismarckhöhe eine Dauerausstellung eingerichtet werden, die an Christian Morgenstern und seine häufige Anwesenheit auf dem brandenburgischen Hügelchen erinnern soll. Dem Vorhaben, das bis zu Morgensterns 100. Todestag am 31. März 1914 abgeschlossen sein soll, ist voller Erfolg zu wünschen. Aus meiner Feder sogar aus doppeltem Grund: Zum einen, weil mir mein Namensvetter schon immer Erheiterung bereitet hat und zum anderen, weil seine kurze Lebenspanne in einer erstaunlichen Beziehung zum Kaiserreich und zu Otto von Bismarck steht: Morgenstern wurde nämlich am 6. Mai 1871, wenige Monate nach der Gründung des Deutschen Reiches geboren und starb im März 1914, wenige Monate vor dem Ende der bis dahin längsten deutschen Friedensperiode, die das Ende des von Bismarck aus dem Taufe gehobenen Bundesstaates vorwegnahm. Und jetzt soll eine breitere Öffentlichkeit auch noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass er eine Reihe seiner Nonsenspoeme in den 1890er auf einer „Bismarckhöhe“ geschrieben hat … Ich bin begeistert!

 

"Beim Einfahren in das Dorf fühlte ich, wohl nie so deutlich, wie schön es ist, eine Heimat zu haben, und eine Heimat, mit der man durch Geburt, Erinnerungen und Liebe verwachsen ist." Die Zeilen des jungen Otto von Bismarck an seine Frau Johanna aus dem Jahr 1847 könnten auch von Dr. Andreas von Seggern stammen. Der Oldenburger hatte nach Studien- und Ausbildungsjahren in Münster, Perugia und Bonn in Bergedorf und Curslack zwar eine zweite Heimat am Hamburger Südostrand gefunden, die sehr gut zu seinem Arbeitsort in Friedrichsruh paßt. Jedesmal wenn aber er mit seiner Familie in das heimische Oldenburg zu den Eltern und Schwiegereltern fuhr, mag es ihm wie dem 32jährigen Noch-Nicht-Politiker Otto von Bismarck gegangen sein, der in sein Heimatdorf Schönhausen in der Altmark zurückkehrte.

 

Nun ist Oldenburg alles andere als ein Dorf, das hat Dr. von Seggern mit ostentiver Deutlichkeit allen Ahnungslosen Kollegen und Bekannten in den letzten zehn Jahren immer wieder klar gemacht. Aber zu der zum Einzugsbereich von Werder Bremen gehörenden Stadt kann man offenbar ähnliche Heimatgefühle entwickeln, wie zu einem Dorf, wo der Gutsherrensohn vor 165 Jahren mit Kutsche mehrspännig einfuhr. In den nächsten Monaten wird Dr. von Seggern vor allem mit der Bahn nach Oldenburg einfahren. Wenn ein passendes Heim gefunden ist, werden Frau und Kinder nachkommen und die Vier- und Marschländer-Dependance der Familie schließt. Für den Neustart als Herr über eine reiche städtische Sammlung, die zahllose Exponate der Kunst- und Kulturgeschichte Nordwestdeutschlands (und weit mehr!) umfasst, wünschen wir ihm alles Gute! Im nächsten Jahr wird eine Bildungsreise der Otto-von-Bismarck-Stiftung in die ehemalige Residenzstadt führen und wir werden dann sein lokal- und regionalgeschichtliches Wissen gern anzapfen. Bis dahin rufen die links auf dem Bild porträtierten Tiere dem rechts mit seiner Vereinsfahne zum Abschied winkenden Fuchs zu: Toi, toi, toi und Hals- und Beinbruch!

Abseits von Hörsaal und Studentenclub marschieren Studenten nicht selten auf Demonstrationen in den ersten Reihen und engagieren sich für den gesellschaftlichen Wandel. Wenn sie neben ihrem Studienpensum Zeit zu politischer Betätigung finden, dann wollen sie die Welt verbessern, und das seit (spätestens) 1968 von „links“. Wenn dabei überhaupt Vorbildfiguren gesucht werden, dann irgendwo zwischen  Che Guevara und Steve Jobs, Joschka Fischer oder Marina Weisband. Diesen vereinfachenden Formulierungen werden die meisten zustimmen. Politische Progressivität war aber im ausgehenden 19. Jahrhunderts vor allem konservativ, ab den 1920er Jahren dann nicht selten „deutsch-völkisch“ und „rechts.“ Dass dabei der aus dem vorletzten Jahrhundert stammende Otto von Bismarck eine zentrale Integrationsfigur war, die unter Studenten geradezu kultisch verehrt wurde, überrascht uns heute. Der Historiker Dr. Harald Lönnecker, beim Bundesarchiv zuständig für die Aktenberge zum riesigen Thema „Studenten“, wird als ausgewiesener Kenner der Materie einen Vortrag über den Wandel des Bismarck-Bildes deutscher Studenten halten. Da Studenten damals wie heute von der Universität in Berufsleben wechselten, behandeln seine Ausführungen in einem weiteren Sinne auch das Bismarck-Bild der deutschen Eliten. Der Vortrag findet statt am 20. September 2012 in der Otto-von-Bismarck-Stiftung, Am Bahnhof 2, in 21521 Friedrichsruh, 19.30 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei.

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Programm eines "Bismarck-Commerses" in Bremen im Jahr 1964 (!).

Der Name "Bismarck" in den spanischsprachigen Welt

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 04. September 2012 um 19:28 Uhr

Der Name "Bismarck" wird in Deutschland mit dem gleichnamigen Politiker, einer robust-einfachen Fischspezialität oder einem im Norden weitverbreiteten Mineralwasser verbunden. Kundige wissen, dass Fisch und Tafelwasser nach dem Politiker benannt sind, nicht umgekehrt. Dieser wiederum stammte aus einer nicht mehr ganz so vielen im deutschen Sprachraum bekannten uradligen Familie mit vielen Zweigen. Die auf ihn zurückgehende Linie blüht noch heute und heißt nach seinem Geburtsort Bismarck-Schönhausen. Süd- und Mittelamerikanern werden diese Fakten nur bei einer beachtlichen historischen Bildung geläufig sein, für sie ist  "Bismarck" schlicht ein Name, zumeist ein Vorname. Im portugiesisich sprechenden Brasilien, dem Zentrum der lusophonen Welt, kennen die meisten den in den 1990er Jahren erfolgreichen Fußballer "Bismarck", und wer ihn in der schnelllebigen Welt des Profisports schon wieder vergessen hat, dem fällt sicherlich irgend ein Nachbar oder entfernter Verwandter ein, dessen lange Namenskette an irgeneiner Stelle ein "Bismarck" enthält. Auch in den benachbarten spanischsprachigen Ländern zwischen Feuerland und Yucatan laufen zahlreiche Bismarcks durch Pampa, Wüste und Regenwald, die lediglich eine Homonymie mit der Gründer des Deutschen Reiches verbindet. Die Auswüchse der US-amerikanischen Namensgebung, wo Kinder nach Jahreszeiten, Städten, Farben usw. benannt werden, kennt man im westlich orientierten EU-Europa nördlich der Alpen. Dass es ganz ähnliche Freiheiten bei der Stigamtisierung des Nachwuchses durch die Vergabe von Vornamen auch in der großen Hispania gibt, werden in Europa hingegen nur die spanischen Zuschauer von importierten Telenovelas wissen. Musikalisch sind diese in der Regel seicht untermalt und verstören wenn überhaupt dann eher durch Beziehungsabgründe als durch abenteuerliche Namensentlehnungen zum Zwecke der Verbreitung provokativer Rockmusik. Trotzdem und gerade deshalb empfehlen wir aus kulturgeschichtlicher, popwissenschaftlicher und internet-begeisterter Perspektive das zumindest kurze Verweilen auf der folgenden Seite.; Mutige klicken natürlich weiter auf die Youtube-gestützen Songs.  Unser google-gestütztes Projekt Bismarckierung verspricht in jeder Hinsicht spannend zu werden!!!

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